Sound, Installation

space oddity

Ein permanent installierter Laser erfaßt das Chaos aus Partikeln unter der zerfallenden Deckenkonstruktion und übersetzt es in Klang.

Die Klanginstallation wurde eigens für die Ausstellung zu den Marler Medienkunst-Preisen 2018 entworfen. Sie interagiert mit einem spezifischen Ort: dem Durchgang unter dem Bürgermeistertrakt des Rathauses neben dem Museum und lässt ihn auf ungewöhnliche Weise erfahrbar werden – sie macht seinen Zustand ,hörbar‘. Und dieser Zustand ist ohne Frage angegriffen. Staub und Putz rieseln von der maroden Decke und mit jedem herabfallenden Partikel entsteht ein unbestimmter Klang. Der Verfall des Gebäudes wird gewissermaßen akustisch übersetzt. Wie ein ,Morsezeichen‘, das der Empfänger am anderen Ende des Atlantiks im tiefen Frequenzrauschen entschlüsseln kann, können wir im Laserrauschen die Bewegung der Teilchen hören und werden somit Zeugen eines kurzen Ausschnitts vom Prozess des unaufhörlichen Zerfalls eines Gebäudes, dessen Gesamtheit wir jedoch nicht imstande sind zu erfassen.

Das Funktionsprinzip der Installation basiert auf dem analogen Lichttonverfahren: Eine Oberfläche wird von einer Lichtquelle – in diesem Fall sind es Laser – auf ihre Lichtdurchlässigkeit hin abgetastet. Das durchdringende Licht wird von einer Fotodiode registriert und über Wechselspannung in Klang übersetzt. Ursprünglich wurde dieses Verfahren für den Tonfilm entwickelt und diente dazu, die Tonspur eines Filmstreifens auszulesen. Das Verfahren funktioniert aber nicht nur bei einer herkömmlichen Tonspur, sondern lässt sich auch auf andere Materialien übertragen – sogar auf Putz, Staub und andere Teilchen, die hier den Laserstrahl passieren. Stumreich hat dieses Prinzip in der Vergangenheit mehrfach zur Anwendung gebracht, u. a. auch für die Installation Sovereignty, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.